Frische Perspektiven auf die Pflege in Ockershausen-Stadtwald

von Annika van den Berg (IKJG e.V.)

Ein Auszug aus einem gemeinsam geführten Gespräch zwischen der Betriebsberaterin Jana Kohlmetz, perspect GmbH, und Dorothee Griehl-Elhozayel, Geschäftsführung IKJG: 

DG: Wir haben schon öfter über sozialräumliche Ideen hinsichtlich des Pflegenotstands mit Dir gesprochen. Wie erlebst Du die Situation durch deine Organisationsberatungen, wo drückt der Schuh?

JK: Wenn es denn nur ein Schuh wäre 😊. Ein sehr hoher Stand der Krankheitstage (38 AU-Tage im Durchschnitt), zu wenig Zeit für Patienten und aber auch für Abstimmungen mit Kolleginnen oder mit der Pflegedienstleitung, altertümliche Hierarchien zwischen Pflege und Ärzten, in der Folge Zunahme von Konflikten, zunehmende Fehlerquote, Resignation, Frustration – letzter Ausstieg – raus aus der Pflege, so ungefähr. Und nein, es liegt nicht am Geld an sich. Deutschland gibt vergleichsweise sehr viel für das Gesundheitssystem aus. Es liegt viel mehr daran, für was und wie wir es ausgeben. So ist z.B. eine Pflegekraft im ambulanten Bereich zu minimal 30% mit dem Auto unterwegs, für zukunftsweise Betreuungsformen wie Wohngemeinschaften bleibt der Pflegedienst auf seinen Kosten sitzen. Spielraum für Innovation Fehlanzeige. Das System braucht ein Reset.

DG: Das hört sich nach einem langen Prozess an. Quartiersbezogen oder kommunal können wir an solch komplexen Systemen wenig ändern. Aber wir erleben auch Menschen, die dieser Arbeit sehr ambitioniert nachgehen und sich nichts Schöneres vorstellen können. Es kann doch nicht sein, dass wir in diesem Feld handlungsunfähig abwarten, bis alle aussteigen durch Überlastung. Was wäre Deiner Ansicht nach eine Handlungsoption?

JK: Ich würde eher sagen Auftrag: Wie können wir auch in Zukunft sicherstellen, dass all jene die Unterstützung im Stadtteil bekommen, die sie benötigen. Ihr seid nah dran, kennt die Bedarfe, könnt Dienstleister im Gesundheitssektor vor Ort entlasten, sei es bei der Integration von ausländischen Pflegekräften oder der Gewinnung von Betreuungskräften, Assistenz oder Hauswirtschaft. Ockershausen mag an einigen Stellen noch dörfliche Strukturen haben und die Nachbarn kümmern sich umeinander, aber in einigen Häusern oder Straßen kennt man sich weniger. Hier könntet ihr stabilisieren und Isolierung vorbeugen. Eben ein intaktes stadtteilbezogenes Betreuungsnetzwerk, für die, die es brauchen – also irgendwann jeder in Ockershausen. 
Klar, und wer sich hier als Ockerhäuser auch mal ehrenamtlich engagiert, kann so seinen Beitrag leisten, damit die Betreuungskräfte an Heiligabend und Co, auch nicht immer im Einsatz sein müssen. Vorbei gehen, um die Suppe warm zu machen und eine Runde Offiziersskat zu spielen, kann ich auch als Nachbar.

DG: Ja das ist ein Punkt, die Gratwanderung zwischen nachbarschaftlichen Hilfen und notwendiger Dienstleistungen, das braucht Kommunikation, um niemanden zu überfrachten. Aber auch genügend Vertrauen, die Tür dem zunächst „Fremden“ aufzumachen. 

Mit Rückzug der ambulanten Dienste aus der Alltagsunterstützung, haben wir die Stadtteilhummeln aufgebaut. Unser Ziel ist eigentlich versicherungspflichtige Jobs zu schaffen. Wir geraten immer wieder an Grenzen zwischen Bedarf und Bezahlbarkeit. Wie kann so ein Konstrukt nachhaltig sich verselbstständigen?

JK: Die Hummeln bieten ja nicht nur Hauswirtschaft, sie sind doch auch ein Erprobungsfeld für Wiedereinsteiger, für Zugewanderte in der Orientierungsphase. Daraus können Arbeitsstellen nachhaltig hervorgehen, wenn sie in einem Kooperationsnetzwerk Ockershausen gefasst wären. Sie sind aber auch Teil eines Sozialwirtschaftlichen Unternehmens, die psychosoziale Beratung bietet, Migrations- und Integrationsberatung, pädagogische Begleitung in Bezug auf Berufsbiografien… das fehlt wiederum den Unternehmen, die Pflegekräfte suchen. Hier könnte u.a. eine Win-Win Situation entstehen.

DG: Ja das wäre interessant für uns, hier unsere Erfahrungen zu teilen. Von dort aus gedacht können man notwendige Akteure einbinden, schließlich müssen Fachkräfte auch gut ihre Arbeit erreichen, wohnen, einkaufen, Familie versorgen … Der Ortsbeirat kämpft für eine verbesserte Verkehrsanbindung, die GeWoBau baut Wohnungen vor Ort, das anstehende Projekt NeBAS (Netzwerk für Bildung und Arbeit im Stadtteil) weist in diese Richtung … Aber was wäre Deiner Meinung nach hier ein erster Schritt?

JK: Die Dienstleister ansprechen, die Hummeln fragen, genau zuhören und versuchen mit euren Unterstützungsquellen ein Reset im Kleinen zu wagen, damit die Menschen im Punkto Betreuung und Pflege in Ockershausen-Stadtwald auch in Zukunft gut versorgt sind.

DG: Danke Jana, für das Gespräch. 

RadWerkStatt wieder unterwegs

von Patricia Stemper, IKJG e.V.

In den kommenden Wochen ist unsere RadWerkStatt im Stadtteil unterwegs. Wir suchen noch Bewohner*innen die Kenntnisse in der Reparatur von Fahrrädern haben und unser Selbsthilfeprojekt unterstützen.

Die mobile Radwerkstatt ist ab 10.3. wieder unterwegs.

Wenn dein Fahrrad kaputt ist und du Unterstützung bei der Reparatur braucht, kommt einfach vorbei. Wir versuchen mit dir das Problem zu finden und dir Tipps zu geben, wie du es selbst reparieren kannst. Wenn du sogar schon weist, was das Problem ist, bring gerne die Ersatzteile mit. Ansonsten helfen wir euch auch dabei herauszufinden, warum das Rad nicht rollt.

Für wen ist das Angebot?  Alle Bewohner*innen von Stadtwald und Ockershausen

Wann findet ihr uns wo?
Do 10.03. 15:30-17:30, auf dem Platz der weißen Rose
Do 24.03. 18:00-20:00, In der Gemoll – Spielplatz
Fr. 08.04. 17:00-19:00, Graf von Stauffenberg Str. – Spielplatz

Wir freuen uns darauf, euch dort zu sehen und euer Rad wieder fit für die nächste Tour zu machen!

Bei Interesse oder Fragen wende dich an Patricia Stemper

Handy: 0174 5339518 oder Mail: stemper(at)ikjg.de

Aktuelle Stadtteilinfos

Stadtteilarbeitskreis für zweite Märzhälfte geplant

Das letzte Treffen ist schon eine Weile her, daher wird es Zeit für ein informativ angelegtes Treffen des Stadtteilarbeitskreises, welches für die zweite Märzhälfte geplant ist. Eingeladen sind alle Institutionen, Vereine und Initiativen im Stadtteil, sowie interessierte Bewohner*innen. Das Treffen wird zur frühen Abendzeit (18 Uhr) stattfinden, so dass auch Arbeitstätige teilnehmen können. Das Quartiersmanagement für das Programm „Sozialer Zusammenhalt“ berichtet über aktuell geplante Aktivitäten (u.a. Fotobus, Spielplatzfeste, Offene Bausteine im Förderprogramm), über die Möglichkeiten des Einsatzes und der Beantragung des Stadtteilverfügungsfonds, der ab diesem Jahr von 3000 auf 25000 Euro jährlich erhöht wurde, und gerne auch über Anliegen und Themen von Bewohner*innen.

Den Link zur Doodle-Abstimmung (bis 2.3.22) senden wir Ihnen gerne auf Anfrage zu. Die vollständige Einladung erfolgt am 3.3.22. Bei Fragen, Anregungen oder für Sie wichtigen Themen, melden Sie sich bitte bei Marcel Funk unter funk@ikjg.de oder 0177-6408773.

Fotowettbewerb Ockershausen vom 17.2. bis zum 18.4.

Zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt Marburg wollen wir die schönsten Orte im Stadtteil von Alt-Ockershausen bis hin zum Stadtwald sichtbar machen. Es ist kein Profiwettbewerb, dennoch wird es eine Preisverleihung und Gewinnerehrung geben, so dass sich für jede*n die Teilnahme lohnen wird! Wir freuen uns, wenn Sie als Bewohner*in, oder als Institution, Verein oder Initiative einen Fotobeitrag oder eine Fotocollage einreichen.

Sie können sich auch noch für die kostenfreien Begleitveranstaltungen anmelden (Fotospaziergang mit Fotograf Tomo Takemura am Mittwoch, 16.3., 14 Uhr & Workshop Fotocollagenerstellung mit Barbara Streicher am 10.3., 15-17 Uhr).

23.2.22, 18.30: Ortsbeiratssitzung Ockershausen

Die Sitzung findet in der Altentagesstätte der Wolff’schen Stiftung statt. Themen sind unter anderem: Ehem. Kindergarten Graf-von-Stauffenberg-Str.: Abriss Altbau und Neubau durch die GeWoBau Marburg; Wie sollen die Ortstafeln im/am Quartier Stadtwald aussehen; Wohnungslosen Frauen/Familien ein Obdach geben (Gemoll); Ortsmitte Ockershausen / ev. Gemeindehaus: Informationsstand zu den Verhandlungen mit der Kirche. Die vollständige Einladung und informative Sitzungsdokumente finden Sie unter: https://www.marburg.de/allris/to010?SILFDNR=1000257&refresh=false.

Die IKJG ist auch in 2022 aktiv

von Patricia Stemper, IKJG e.V.

Auch in diesem Jahr bieten wir wieder ein buntes Programm an regelmäßigen Angeboten und Veranstaltungen zum Mitmachen und Vorbeikommen. Für jedes Alter ist was dabei. Schaue mal auf unserer Website unter www.ikjg.de vorbei, hier findest du viele Infos und unsere Jahresbroschüre, in welcher du dir einen Überblick verschaffen kannst, was dieses Jahr so alles stattfindet und geplant ist.

Wir haben unsere Social Media Kanäle ausgebaut

In der Pandemiezeit haben wir unsere internen Strukturen digital aufgestellt und unsere Social Media Präsenz ausgebaut. Du findest uns jetzt neben Facebook@ikjgmarburg auch auf Instagram unter ikjgev oder ikjgjugend. Die Highlights und Beiträge spiegeln unser buntes Programm wieder. Schau gern mal rein und lass dich überraschen, was alles bei uns im letzten Jahr stattgefunden hat. Wenn du uns folgst findest du im Status tagesaktuelle Infos zu Angeboten und weitere Informationen. Teile gerne die unterschiedlichen Plattformen mit Anderen, sodass sich möglichst viele über unsere Stadtteilthemen informieren können. Wir freuen uns, mit dir ins Gespräch zu kommen und zu hören was dich beschäftigt. Du bist herzlich eingeladen, unsere Veranstaltungen und Angebote zu besuchen. Und wenn du magst, lass uns doch einen Like auf Facebook oder ein Herzchen auf Instagram da.

Neuigkeiten aus der Migrationsberatung der IKJG e.V.

von Miriam Richter und Manuela Faulhaber, IKJG e.V.

2022 sind in der Migrationsberatung Manuela Faulhaber und Miriam Richter eure Ansprechpersonen. Wir bieten Beratung zu sozialen, beruflichen oder familiären Themen an und unterstützen bei aufenthaltsrechtlichen Fragen.

Die Beratung ist für alle Menschen mit Migrationsgeschichte, die in Marburg leben, offen. Sie ist kostenlos und anonym. Wir beraten auf Deutsch, Arabisch, Englisch, Türkisch und Französisch. Bei Bedarf können Dolmetscher für andere Sprachen eingeladen werden. Meldet euch gerne per Email unter migrationsberatung@ikjg.de oder ruft uns an: 0176-73999382 / 0178-4750769. Wir vereinbaren dann einen Termin mit euch. Wir freuen uns auf neue und alte Gesichter!